Mittwoch, 22. September 2010

Tag X - Murphy knows this roundhouse kick.

22. September 2010, 5 pm

Mein Kopf qualmt. Es war ein anstrengender Tag.
Module Enrolement = Einschreibung für die ganzen Kurse.

Bis auf meine Englisch Kurse habe ich fast alles von meinem Stundenplan streichen und ersetzten müssen. Er gefällt mir jetzt, aber das hat auch sehr viel Zeit und Durchhaltevermögen gekostet. Hier-Hin-Laufen, Darf-Man-Das-Fragen, Dort-Hin-Laufen, gucken, ob Noch-Was-Frei-Ist, nein, ja, Hier-Hin-Laufen, Darf-Man-Das-Fragen, ja, nein, Was-Anderes-Nehmen.... Ein schlimmer schlimmer Kreislauf. Eine ätzende Prozedur ...

Zu allem Übel habe ich auch eine leichte Blasenentzündung, da ich gestern eine geschlagene Stunde auf meiner Treppenstufe gewartet habe nur unterbrochen von hysterischem Türgeklopfe und Lasst-Mich-Rein-Gebrülle. In meinem Kopf erzähle ich dies grade mit einer unglaublich monotonen Stimme, da ich absolut müde und angemopst bin -.-

Kurzversion: Libary schließt gleich. Ich möchte noch schnell auf Toilette, da der Heimweg lange dauert. Nehme natürlich meine Sachen mit, bin ja nicht doof. Bin fertig, will raus gehen, bemerke vor der Tür fehlenden Schlüssel. Da dieser samt USB-Stick noch unten im PC steckt, renne ich zurück und. Er ist schon weg. Mist. Mist. Mist.
Ich fühle mich wie Bernd das Brot, der 'Ohhh naaaain, was mach ich jetzt?... wie soll ich denn jetzt? ... und wie komm ich denn jetzt? ... muss ich den denn jetzt?... woher das Geld? ... ahhhh' schreien will, dessen kuriose Gehirnstrukturen das ganze aber einfach auf eine lapidare einfache und wahre Gefühlsregung  reduzieren: M I S T.

Ich muss wirklich sagen, es gibt eine Sache für die habe ich die Engländer lieben gelernt, will ein Kind von ihnen, oder zwei, bete sie quasi an: GEDULD. Wirklich eine fast meditative mönchsartige Form von absoluter Scheissgeduld ist das, gepaart mit Freundlichkeit... wo, wo ... wo bekomme ich das auch her???
Weder als ich zum 5. mal am Empfang und beim Lost And Found Buero war und nach meinem Schlüssel gefragt habe, oder auch schon wieder an der Tür meines Profs geklopft habe, um irgendetwas um zu ändern oder auszustreichen. Einfach niemals habe ich hier erlebt, dass jemand angenervt gewesen wären und nicht geantwortet hätte: 'Well Darling, let's look what we can do for you'. Ich kenne das aus Deutschland einfach oft anders, wenn selbst Servicepersonen, wie Kassiererinnen, sich erbrüsten, wenn man etwas von ihnen möchte. Ich denke ich führe auch eine Englandsliebesliste ein. Ganz oben steht dann:

GEDULD UND WIRKLICH EHRLICHE FREUNDLICHKEIT

Das macht ganz ganz viele schwierige Situationen leichter, danke!



Dienstag, 21. September 2010

Tag IX - Libaries are for polecats.

21. September 2010, 7 pm

Seid mal froh, dass ich gestern keine Zeit hatte irgendetwas zu Papier zu bringen. Es hätte  sehr melancholisch und demotiviert geklungen.


Eines meiner ewigen Riesenprobleme ist nämlich: Smalltalk.
Damit fängt man wohl allerorts Gespräche an. Nicht nur, dass ich jegliche Smalltalk Konversationsregeln in Deutschland schon nicht durchblicke, die englischen sind einfach noch einen Tacken schärfer.  Ein ‚how are you‘ sollte wirklich nur mit einem ‚fine‘, ‚good‘ allermindestens einem ‚ok; beantwortet werden. Ein ‚Well, it has been quite a hectic day, but it’s ok.’  Menschen einzugestehen, die man schon seit mehr als seiner Woche kennt, das ist schon zu viel!
Es ist nicht so, als würde es die Menschen hier nicht interessieren wie es einem geht. Sie fragen wenn sie es wissen möchten dann nur ganz anders und das muss man erst mal verstehen.


Seid Kai weg ist habe ich es grade mal geschafft gehabt mit meinen Mitbewohnerin zu sprechen. Dabei wären genug Gelegenheiten bei diesen ganzen Einführungsveranstaltungen gewesen gestern. Aber wenn einem das schon eh bewusst ist, verkrampft man sowieso noch mehr. Insofern war mein gestriger Tag eh schon gelaufen. Dass die Post als einzige unglaublich früh schließt, sowie auch der Laundry Service, ich zu beiden aber schon hin gewandert war, ließ dann den Rest des Tageskesselchens überbrodeln.
So viel zu gestern.

Aber heute! Der heutige Tag war einfach genial. Ich habe mich zum ersten Mal wie ein Nottinghamer und noch dazu wie ein echter Student gefühlt! Die Campen die ich kenne sind leider echt nicht vergleichbar, genauso wenig das Feeling. Es hat schon etwas von so komischen Ammimovies.

Erst war ich bei der offiziellen Registrierung, endlich! Endlich habe ich eine Universitätskarte, kann von einem Campus zum nächsten fahren, in die Bibliothek und alles sonst noch mögliche damit anstellen!
Dann war ich bei der Freshers Fair. Dort stellen sich alle Studentenvereinigungen vor, haben Stände aufgebaut und verteilen allerlei Krams. Aber auch viele Firmen oder andere Organisationen, die mit der Uni zu tun haben, sind anzutreffen. Dabei waren auch meine Lieblingsbars/Konzerthallen/Clubs: The Rescue Rooms, Rock City, The Brassmonky und der Cookie Club. Allersamt haben die fleißig Karten und Promozeug verteilt und nun bin ich bestens eingedeckt mit hübschen Tüten und, naja, KRAMS. =)
Vereinigungen habe ich ‚nur‘ vieren mein Ja gegeben: Der RockSoc, ein Rock’n’Roll Club, der lustige Parties schmeißt; der VegSoc, einem Club der regelmäßig vegetarisch kocht oder essen geht, der BandSoc und dem TheMic, einer Vereinigung, die eine UniMusikZeitschrift rausbringen, bei der ich wohl bald mithelfen werde. Beim URN (UniRadioNottingham) bin ich erst mal zu einer Einführungsveranstaltung eingeladen, mal sehen was das alles wird :)

Außerdem ist mal wieder die Vouchernatur der Briten rausgekommen, was ihnen auch einen neuen Eintrag ins Buch der Kuriositäten einheimst:

10. VOUCHERS. Mehr sage ich dazu nicht.

Und ausserdem habe ich im Bus das erste mal jemanden kennengelernt, ohne dass ich dazugezwungen war. Durch Smalltalk. ‚I really would like to know where this ******** LIDL is, do you maybe know?’ Wer kann bei so einer Ansprache nicht antworten? *lach* Naja, jetzt sind ich und Dan voll die fetten Kumpels. Nene, wer weiss. Der ist auch in der RockSock, bestimmt sieht man sich mal. Wisst ihr wen ich noch gern mal wieder sehen wuerd?
EUCH
Cheers,
Sue

Tag VII – Mould, you took my curtains.

19. September 2010, abends

Kai?

Ich weiß gar nicht was ich zum heutigen Tag sagen soll. Ich vermisse Kai schon jetzt unglaublich. Dabei ist er gerade mal seit 4 Stunden weg.


In Erinnerung: Kais Baked Beans Toplist:

1.   Heinz Baked Beans in richt tomato sauce.
2.   No Name Baked Beans  with Sausages aus dem Lidl.
3.  No Name Baked Beans aus dem Aldi.
4.  Baked Beans auf dem heimischen Asialaden.
5.    No Name Baked Beans aus dem heimischen Kaufland.
6.    … TO BE CONTINUED …



Morgen fängt die Uni an. Naja, die Einführungsveranstaltungen. Ich bin schon ganz kirrelig. Uah.
Ich sollte langsam ins Bett.
Gute Nacht.

Tag VI – This is blasphemy, William!

18. September 2010, xy

Eigentlich ist heute schon der Morgen von Tag VII. Ich hoffe das ist nicht gschummelt.


Erleuchtung. Unser Türschlüssel ist gar nicht unser Türschlüssel. Mit dem Schloss ist alles in Ordnung. Unsere Schlüssel sind die Hintertürgartenschlüssel irgendeines anderen Hauses von den vielen die Herrn R. gehören! Es ist purer Zufall, dass sie mit ganz ganz ganz viel Ruckeln und Geduld auch für unsere Haustür passen! Sie werden jetzt eingeschmolzen und ein neues Schloss kommt rein in das andere verlassene Haus. Wäre wohl sonst zu gefährlich... Wenn die Zukünftigen das raus finden würden! uhoh

Wir haben gestern den Geburtstag von Aggie und Audrey nach gefeiert.
Notts at night, das ist schon was. Es ist voller als an Wochentagen tagsüber. Samstags ist echt so viel los! Überall sind verrückte Menschen. Verrückte Bars. Leider auch teilweise verrückte Preise.

Ein paar Nachträge habe ich noch zu Liste englischer Skurilitäten zu machen:

  • 8.  Der Samstagabend scheint ein städtischorganisiserter allumfassender Junggesellinenabschied zu sein.  Frauen tragen mal eben alle Warnwesten und Bauhelme und gehen in einen Club, oder alle Hasenohren, oder haben blinkende Ohrringe.Kommentar unseres erfahrenen Partyführers: Das ist normal!
  • 9.  Die Röcke sind... naja, sind das noch Röcke? Bein ist hier alles Schätzchen. Wobei positiver Weise auch jeder Bein zeigt. Auch wenn er oder sie vielleicht nicht unbedingt kann. Hier kann man eben alles :)


Wir sind erst in dieser stinke langweiligen Bar. Deren eigentlich tolle Location irgendwie fast gänzlich wett gemacht wird durch: komische Musik, absolut überteuerte Getränke und über motivierte Kellner, die einem das halb volle Glas wegstibizen.
Nach einem kurzen Verwirrungslauf gehen wir in eine total abgefahrene freche Atheistenbar(?)!
Sie heißt Pitcher & Piano. Und ist im Grunde eine Kirche, die umgewandelt wurde in eine Bar. Die  alte Architektur kombiniert mit modernem Design sind einfach nur bombastisch. Man ist die ganze Zeit am nur gucken. Es fügt sich alles irgendwie ineinander. Da ist hier irgendwo einfach Wendeltreppen eingebaut worden und da oben bei der Orgel ist eine Lounge ganz aus Glas, die irgendwie in der Luft schwebt und die Gewölbe sind mit kilometerlangen Stoffbahnen geschmückt und im alten Seitenschiff befindet sich jetzt die Bar, die das Ganze mit ihren bunten Glasflaschen  noch einmal stilistisch adaptiert.
Die Stadt glitzert durch die originalen Kirchenfenster hinein und über einem schauen mahnend St. Georg und was weiß ich wer herunter. Irgendwie fühlt man sich ganz schön unholy hier Fosters zu trinken. Aber guuut!

Montag, 20. September 2010

Tag V – Squirrels and Magpies.

17. September 2010, afternoon


Kai und Ich haben uns gestern eine nächtliche Tour durch Nottingham gegönnt. Oh my gosh! Ewigkeiten gehen wir den Castle Boulevard entlang, bewundern alte Häuser und geniale englische Villen, Chickimickidesignerläden bei Nacht und dann thront es plötzlich total deplatziert da vor unserer Nase zwischen den ganzen Häusern. The Castle of Nottingham. Oder besser gesagt die paar Zinnen, die man von unten sehen kann. Das Schloss, eher die Burg ist auf einem riesigen Felsen gebaut, der aussieht als wäre es gerade mal eben mitten aus der Erde geschossen. Dort ist eben noch die Stadt und dann ist es da. Man sieht es gar nicht von weitem, weil viele Häuser in dieser Region der Stadt so protzig hoch sind, das man nicht weit gucken kann. Vielleicht überrascht es deswegen auch so, dass es dann einfach mal plötzlich DA IST. Nach dem wir einer Weile dem Robin Hood Pfad folgen, uns den Kanal von Nottingham angucken, beenden wir dann die nächtliche Tour und gehen nach Hause.

Am heutigen Tag ist dann die Unituritour gefolgt. Schöööön. Schöööööööön. Ach, dass ich da studieren darf! Das Gebäude der Modern Languages ist eins der schönsten. Das sogenannte Trentbuilding. Es liegt an einem Fisching Lake. Überhaupt liegt die ganze Uni im Park. Überall sind Magpies. Die werden mich gehörig ablenken! Seht selbst ein bisschen davon:

PIC


Übrigens: habe heute Laura auf lupenreinem Deutsch telefonieren hören. Sie kommt scheinbar auch aus Deutschland... Haha? Haben die ganze Zeit auf englisch miteinander Kommuniziert und sie weiß woher ich komme. Hoffentlich haben Kai und ich nicht zu oft Shneedl Woods durch die Wohnung gebrüllt.

Tag IV – You didn't ask me where I come from.

16. September 2010, 9 am

Guten morgen, Folks!
Ich führe die Liste englischer Kuriositäten ein.

  1. Diese Bettpodestsache. Die beschäftigt mich immer noch.
  2. Alle Steckdosen sind Doppelsteckdosen und haben jede einzeln nochmal 2 Kippschalter für beide Einzelsteckdosen. Man kann dann eine an machen und eine nicht. Man kann dann auch dahinter noch einen Verteiler mit Kippstecker schalten. Dann hat man gleich 3 hoch wie viel Möglichkeiten hin und her zu kippeln? Was es im Endeffekt bringen soll weiß ich nicht. Man vergisst immer alles anzukippen und das Handy, welches man dringend braucht lädt garnicht....
  3. Scheibenkäse? - Seltenheit. Notiz: Muss Käsehobel kaufen.
  4. Es gibt einen Laden für Handys, einen für Musik und Musikzubehör, einen für Waschmaschinen, einen für Computer.... Was ist aus dem guten alten Elektronikfachgeschäft geworden?
  5. 3rd off, wenn sie 2 for 1 und second reduced kaufen! Ein Cheddar kostet 2,50P , zwei kosten 3P …. wie viel kaufe ich wohl?
  6. Alle Busse sind privatisiert. Das heißt, man weiß nie, wo man wann wo sein muss um wo hinzukommen. Es gibt die Red Line, Blue Line, Green Line, Yellowline, Indigoline. MediLink, Unilink, Unihopper. Trams. Taxis und Private Taxis. Vielleicht laufen deswegen die meisten Nottinghamer nahe der Innenstadt einfach?
  7. Nottingham hieß früher mal Snottingham. Benannt nach einem 'Häuptling Snottie'. Laborratte-sei-dank ist dem nicht mehr so. Sonst wäre es wohl übersetzt: 'Schnoddernder Schinken' (Snotting Ham) ?

Laura wird irgendwann heute Abend ankommen.
Hehe. Spannuuuuuuung.

Tag III – French Dressing

 15. September 2010, xy pm
Aggie, Kai und ich gehen Schooooppen, yippie!
IKEA!
Neuer Kurzzeitrekord: Nur 1 ½ im Ikea gewesen! Naja, gut, mit dem Essen im Restaurant vorher 2... aaaaber trotzdem!
Ich habe jetzt echte Bettdecken und Kissen. Und einen Mülleimer. Klebespiegel, einen Wok. Brettchen, 30p Geschirr und Cutlery! W a s ausgerechnet habe ich vergessen, wegen welchem Gegenstand bin ich extra raus in die unweiten Weiten Nottinghams gefahren? Unglaubliche 40 Minuten Bus?
Ein Bettlacken! Weil es genau DAS nirgends so billig gibt hier. Alles andere fast schon …
Ich hatte es sogar bis zum Band vor geschleppt und darauf ordentlich platziert. Doch dann muss es unwillentlich meinerseits und frech seinerseits zum Einkauf der Frau vor uns gerutscht sein. Misti!

Nachmittags wird wieder durch die Stadt gestromert, Wege erkundet und guckt mal wen wir gefunden haben! Da ist doch der Tag gerettet! *hehe*
                                                                           PIC

*deedededeee dededeee deedededeee dede de de de. Deedededee deededeeee de de deeee de de deee de de deeee de de deee. Dee dee dedeeee*




...
Hast du die Ausrufezeichen gezählt?